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ⓘ Wennemar von Hasenkamp




                                     

ⓘ Wennemar von Hasenkamp

Wennemar von Hasenkamp war ein deutscher Adeliger in der Grafschaft Mark, Begründer des Rittersitzes Haus Weitmar.

                                     

1. Leben

Im Mai des Jahres 1464 erhält der Drost des märkischen Amtes Bochum Wennemar von Hasenkamp, Herr zu Stockum, die Erlaubnis, auf dem Schultenhof in Weitmar, "dem Hofe to Weytmar", ein neues Wohnhaus zu errichten. Sein Familienstammhaus auf der Flur Hasenkamp in Stiepel war baufällig geworden.

Haus Weitmar war seit der Jahrtausendwende ein Schultenhof. Als Lehnsgut wurde der Hof bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Bei archäologischen Grabungen im Jahre 2014 wurden Scherben oxidierend gebrannter Irdenware Bardorfer Art und vom Typ Hunneschans geborgen. Damit ist die Existenz des Rittersitzes Hasenkamp bereits in karolingischer Zeit belegt. Wennemar von Hasenkamp machte aus diesem Schultenhof in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts den Rittersitz Haus Weitmar.

Wennemar von Hasenkamp war der erste urkundlich erwähnte Holzrichter an der Ruhr in der Grafschaft Mark. Ein Holzgericht war im Spätmittelalter ein Gericht über Holz- oder Forstangelegenheiten und Nutzungsrechte der Markgenossen an einem Markwald. Seine Zuständigkeit bezog sich im Kern auf "Wald, Wasser, Weide, Weg und Steg". Teilweise hatte es den Charakter einer germanischen Gemeindeversammlung "Hengerath" zur Regelung von Streitigkeiten am Orte. Wennemar von Hasenkamp verschaffte der Region an der Ruhr eine verlässliche Ordnungsstruktur, die zu seiner Zeit als besonders rechtlos galt, da die Bevölkerung vornehmlich aus eingewanderten Chattuariern bestand. Er war auch Gründungsmitglied der Kalandsbruderschaft. Seinen Enkel Hermann von Brüggenei, genannt Hasenkamp ließ er in Livland erziehen. Dieser wurde von 1535 bis 1549 Landmeister in Livland des Deutschen Ordens.

                                     

2. Nachkommen

Im Jahre 1592 erbaute Johann von Hasenkamp auf dem alten Hofplatz ein neues festes Haus aus Ruhrsandstein. Infolge der Reformation spaltete sich 1599 die Familie. Der protestantisch gewordene Johann Gert von Hasenkamp verzichtete auf alle Ansprüche und Titel und verließ den Rittersitz, um sich in Lengerich bei Tecklenburg als Großbauer niederzulassen. Sein Ur-Ur-Ur-Urenkel Johann Gerhard Hasenkamp war als pietistischer Prediger ein streitbarer Gelehrter, der mit Johann Wolfgang von Goethe über Grundfragen der christlichen Religion stritt, und ein enger Freund und Berater von Johann Caspar Lavater, dem Begründer der Physiognomie.

Im Jahre 1764 verstarb der letzte katholische Hasenkamp kinderlos auf dem Familien-Schloss in Weitmar. Seine protestantischen Verwandten in Lengerich schlugen das Erbe aus.

Am 13. Mai 1943 wurde bei einem der ersten großen Fliegerangriffe der Engländer das Schloss durch Brandbomben völlig zerstört. Die Ruinen stehen heute noch im Schlosspark.

Ein großformatiges Ölgemälde des alten Stammsitzes der Familie Hasenkamp hängt im Eingangsbereich des Borbachschlösschens, dem heutigen Sitz der Familie im benachbarten Witten.