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ⓘ Hippolyt von Rom



Hippolyt von Rom
                                     

ⓘ Hippolyt von Rom

Hippolyt wirkte ab etwa 192 als Presbyter wahrscheinlich in Rom. Der Schüler des Kirchenvaters Irenäus gilt selbst als bedeutender frühchristlicher Autor. Ab 217 lebte er in Rom und war ein Zeitgenosse und Widersacher des liberaleren Bischof Calixt I.

Hippolyt ist der Namenspatron der Stadt St. Pölten, von Saint-Hippolyte Sankt Pilt im Elsass, wird als Schutzpatron der Städte Delft und Zell am See hier auch im Wappen, der Gefängniswärter und der Pferde verehrt, da der Name Hippolytos "Pferdebefreier" bedeutet. Der Heilige wird auch bei Körperschwäche angerufen.

                                     

1. Leben

Die schriftstellerischen Aktivitäten Hippolyts sind durch eine Fülle von Werklisten, die sich bei anderen Kirchenvätern finden, belegt. Seine biografischen Daten hingegen, vor allem sein kirchliches Amt und sein Sitz, sind seit vielen Jahrzehnten umstritten. Grund hierfür ist die sich zum Teil widersprechende Quellenlage. Manche Quellen legen nahe, dass Hippolyt in Rom gewirkt hat. Der Chronograph von 354, eine Sammlung noch älterer amtlicher römischer Dokumente, führt z. B. in der Liste der Begräbnisorte der Märtyrer für die Iden des August 235 auf, dass Hippolyt in einer Katakombe an der Via Tiburtina in Rom bestattet worden sei.

Ein frühes Zeugnis stammt von Eusebius von Caesarea um 260 – um 340. Er listet in seiner Kirchengeschichte eine Reihe der Werke Hippolyts auf und bezeichnet ihn dabei als Bischof, allerdings ohne den Ort anzugeben. Im darauffolgenden Kapitel nennt er ihn einen Zeitgenossen des Papstes Zephyrin † 217. Den Bischofstitel bestätigt etwas später Apollinaris von Laodicea um 315 – um 390, der Hippolyt darüber hinaus jedoch ausdrücklich "Bischof von Rom" nennt.

Ähnliches ist den Werken des Hieronymus 347 – 420 zu entnehmen. Über Eusebius hinaus kennt er weitere Texte Hippolyts. Auffällig ist, dass er in der Frage des Bischofssitzes nicht der Zuweisung seines Lehrers Apollinaris, der Hippolyt "Bischof von Rom" genannt hatte, folgt, sondern ausdrücklich betont, den Ort des Bischofsamtes Hippolyts nicht zu kennen. Hieronymus notiert ferner, dass Hippolyt als Märtyrer gestorben sei. Diese Doppelbezeichnung als "Bischof und Märtyrer" findet sich in der Folge bei zahlreichen Schriftstellern, u. a. bei Theodoret 393–460.

Eine andere, spätere Tradition bezeichnet Hippolyt dagegen als Bischof des römischen Hafens Porto, so das Chronicon Paschale von 629. Die Zuordnung dieser Stadt zu Hippolyt ist vor allem in der Ostkirche weit verbreitet. Ein Vergleich der in diesen Quellen aufgelisteten Werke so z. B. bei Georgios Synkellos † um 810) macht aber deutlich, dass es sich um die gleiche Person wie bei Hieronymus handelt. Ein archäologisches Zeugnis beweist die Verbindung von Hippolyt mit Porto: Auf der Isola Sacra, einer Insel im Tiber unmittelbar südlich von Porto, wurden ab 1970 die Reste einer frühchristlichen Basilika ausgegraben. Sie wurde bereits am Ende des 4. Jahrhunderts unter Bischof Heraclida errichtet. Eine aufgefundene Weiheinschrift belegt, dass diese Kirche Hippolyt geweiht war:

Unter dem Altar wurde ein leerer Sarkophag aus dem dritten Jahrhundert aufgefunden, den eine Inschrift, allerdings erst aus dem 9. Jahrhundert, als Begräbnisstätte Hippolyts bezeichnet.

Die Quellenlage scheint nahezulegen, dass es möglicherweise im 3. Jahrhundert zwei Personen mit Namen Hippolyt gab, von denen der eine in Rom, der andere in Porto wirkte, und deren Biographien in späteren Zeiten vermischt wurden.

                                     

2. Schisma

Aus den erhaltenen Werken Hippolyts geht hervor, dass er dem konservativen Flügel der Kirche zuzuordnen war und in vielen Fragen eine sehr harte Haltung vertrat. Viele Autoren vertreten die These, dass die Meinungsverschiedenheiten zum Bruch mit der offiziellen Kirche Hippolytisches Schisma, dem ersten größeren Schisma der Kirche, führten.

Die Quellenlage ist dürftig. Eine Kirchenspaltung hatte in der Regel einen umfangreichen Briefwechsel zur Folge, da beide Seiten versuchten, Bündnispartner zur Stärkung der eigenen Position zu finden. So hat sich nur wenige Jahre später 251–258 eine Vielzahl solcher Briefe aus der Zeit des Schismas des Novatian Gegenbischof zu Cornelius erhalten. Vom Schisma des Hippolyt dagegen gibt es kein einziges solches Zeugnis.

Belege finden sich nur auf indirektem Weg. Der deutlichste Hinweis steht in einem Werk, das bereits Eusebius dem Hippolyt zugeschrieben hatte: Die Refutatio omnium haeresium ‚Widerlegung aller Häresien, eine Kampfschrift, in der er 32 häretische Sekten verzeichnete, die sich aber vor allem gegen die Gnostiker richtete. In diesem Werk berichtete der Verfasser von einem heftigen Streit mit dem Bischof von Rom, Calixt I. 217–222, als dieser im Jahr 217 in einem Erlass eine – nach der Taufe – zweite Buße für Sünden sexueller Natur erlaubte, obwohl bis dahin Unzucht, Mord und Abfall vom Glauben als unverzeihliche Todsünden galten. Ein heftiger theologischer Streit entbrannte außerdem um die göttliche Dreifaltigkeit. Der Verfasser klagte Bischof Kallistus andere Schreibweise Calixts an, die Lehre des Sabellius – den Monarchianismus – nur unzureichend zu bekämpfen, was dieser mit dem Vorwurf des Ditheismus konterte. Ferner beschuldigte er Calixt der Veruntreuung von Geldern und anderer krimineller Aktivitäten.

Am Ende dieses Kapitels stößt man auf eine aussagekräftige Passage: "Und auf all das hin gehen diese Ausgeschämten daran, sich ‚katholische Kirche zu nennen und manche laufen ihnen zu, in der Meinung, recht zu handeln. Da wir als deren Nachfolger an derselben Gnade, Hohenpriesterwürde und Lehre teilhaben und zu den Hütern der Kirche gehören, so halten wir die Augen offen und verkündigen die wahre Lehre." Nicht wenige Forscher leiten aus diesen Worten ab, dass der Verfasser sich als Nachfolger der Apostel und damit als rechtmäßiger Bischof empfand.

Zwei weitere Quellen stützen diese These. Im Chronograph von 354 wird im Kapitel über den römischen Bischof Pontianus berichtet, dass dieser in der Christenverfolgung unter Maximinus Thrax im Jahr 235 nach Sardinien verbannt worden sei. Das gleiche Schicksal habe auch Hippolyt getroffen, der in einem Atemzug mit dem nach katholischer Auffassung rechtmäßigen Bischof erwähnt wird: "Eo tempore Pontianus episcopus et Yppolitus presbiter exoles sunt deportati in Sardinia." Diese gleichberechtigte Nebeneinanderstellung des Bischofs von Rom und eines Priesters bleibt im Chronograph ohne Parallele, was als Beweis für die herausragende Stellung Hippolyts in der damaligen Zeit gewertet wird. Das gemeinsame Martyrium sowie der gemeinsame Festtag am 13. August scheinen darauf hinzuweisen, dass es zur Versöhnung zwischen den beiden Gemeindeleitern kam – ein Grund, weshalb Hippolyt in der Kirche als Heiliger verehrt wird.

Ein weiterer Hinweis stammt von Papst Damasus I. 305–384. In einer Inschrift, die er in der Grabeskirche des Hippolyt anbringen ließ, bezeichnete er den Priester Hippolyt fälschlicherweise als einen Anhänger des schismatischen Novatian, der sich aber später nicht nur selber mit der Kirche ausgesöhnt, sondern auch seine Anhänger dazu aufgefordert hätte. Er gibt in der Inschrift zu, dass er dies nicht sicher weiß "haec audita" und dass sich erst im Jenseits der Wahrheitsgehalt erweisen werde "Probat omnia Christus". Viele Forscher werten dies als indirekten Beweis für das Schisma des Hippolyt: Damasus habe lediglich über 100 Jahre nach den Ereignissen die Kirchenspaltung des Hippolyt mit der 20 Jahre späteren des Novatian verwechselt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Damasus sehr engen Kontakt zu Hieronymus hatte, dessen Hinweis auf ein Bischofsamt an unbekanntem Ort aber nicht aufgreift.

Die heftigen Attacken gegen die Kirche in der erwähnten Schrift Refutatio omnium haeresium, auch Philosophumena genannt, belegen, dass es während des Episkopats des Calixt zumindest zeitweise ein Schisma gegeben hat. Ob Hippolyt der Anführer dieser Gruppe gewesen ist, hängt wesentlich davon ab, ob er als Autor dieser Schrift erwiesen werden kann.

                                     

3. Werke

Hippolyt schrieb in griechischer Sprache unter anderem eine Weltchronik, die bis 234/235 reicht, exegetische Kommentare zum Buch Daniel und zur Apokalypse, dogmatische und kirchenrechtliche Abhandlungen sowie eine Kampfschrift gegen die Gnostiker Refutatio omnium haeresium, "Widerlegung aller Häresien", in der er 32 häretische Sekten verzeichnete. Kulturgeschichtlich interessant sind die im letztgenannten Werk Adv. Häres. IV 28 ff. beschriebenen Tricks antiker Magier. Ein Großteil seiner Schriften ist nur in altslawischer Übersetzung erhalten. Weiterhin stellte Hippolyt Berechnungen zum Termin des Osterfestes an.

                                     

3.1. Werke Traditio Apostolica

Das heute wohl bekannteste Werk von Hippolyt ist die – ihm mit umstrittener Berechtigung zugeschriebene – "Apostolische Überlieferung" Traditio Apostolica aus den Jahren 210 bis 235, die einen Einblick in die damalige Kirche gibt und Musterbeispiele frühchristlicher Gebetliteratur überliefert. Während das griechische Original im Wesentlichen verloren ging, liegen Fassungen in lateinischer, arabischer, koptischer und äthiopischer Sprache vor. Die Übersetzungen sind teilweise unvollständig und weichen voneinander ab. Unter anderem enthält die Schrift das älteste sicher bekannte Hochgebet der Heiligen Messe Eucharistie:

Als "Anaphora der Apostel" ist es seit langem in der äthiopischen Kirche in Gebrauch. Es liegt dem 2. Hochgebet des heutigen Missale Romanum zu Grunde und wurde auch in die liturgischen Bücher der Christkatholischen Kirche der Schweiz aufgenommen.

Das Gebet zur Bischofsweihe aus der "Traditio apostolica" wurde nach dem Zweiten Vatikanum in das Pontificale Romanum für die Weihe eines Bischofs herübergenommen.



                                     

4. Grab

Im Vicolo dei Canneti in Rom befindet sich der einzige Eingang zur Hippolyt-Katakombe, die sich über fünf Etagen erstreckt. Sie lag früher mitten in einem Gräberfeld an einer Nebenstraße der Via Tiburtina. Das Grab des Hippolyt wird hier vermutet. Im Laufe des vierten Jahrhunderts wurde dieser Grabraum und die umgebenden Gänge in eine längsgestreckte, unterirdische Basilika umgebaut. Im 5. Jahrhundert wurde zudem eine überirdische, dreischiffige Kirche erwähnt, von der sich aber keine Reste erhalten haben. Zwei Inschriften, die um 1882 in der Hippolytkrypta aufgefunden wurden, berichten von der Zerstörung und dem späteren Wiederaufbau dieser Kirche unter Papst Vigilius † 555:

"Von neuem zerstört, verloren – nach Vertreibung des Volkes der Beter – die heiligen Grotten ihre alte Zier." "Froh singe das heilige Volk Gott Gesänge, weil die Mauern wachsen und das erneuerte Haus des Märtyrers Hippolyt."

Die erste Erwähnung der Hippolyt-Katakombe findet sich im 11. Buch des Peristephanon des spanischen Dichters Prudentius * 348; † nach 405, der bei einem Rombesuch die Gräber verschiedener Heiliger beschrieben hat. Auch im Martyrologium Hieronymianum findet sich ein Hinweis: Es erwähnt mit Concordia 22.2. und Genesius 24.8. zwei weitere Heilige, die dort bestattet sind. Ferner nennt die Notitia Ecclesiarum Urbis Romae Wegweiser für die Pilger des siebten Jahrhunderts zwei weitere, weniger bekannte Märtyrer: Trifonia und Cyrilla.

Der italienische Archäologe Antonio Bosio war der erste, der die Katakombe am Ende des 16. Jh. erforschte. Er war jedoch überzeugt, einen Ausläufer der nahe gelegenen Katakombe von San Lorenzo fuori le Mura vor sich zu haben. Erst Marcantonio Boldetti identifizierte die Grabanlage als Hippolyt-Katakombe. Dabei halfen ihm notarielle Urkunden aus dem 12. und 13. Jh., in denen die Gegend "mons sancti Ypoliti" genannt wurde. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen wurden im 19. Jh. von Giovanni Battista de Rossi durchgeführt.

In dieser Gegend - im ager veranus abseits der Via Tiburtina - wurde 1551 von Pirro Ligorio ganz in der Nähe der Katakombe eine beschädigte der Oberkörper fehlte Marmorstatue aufgefunden. Der verbliebene Unterteil, der eine auf einem Thron sitzende Person darstellt, wurde als eine Statue des Hippolyt restauriert. In der Tat weist die Statue enge Verbindungen zu Hippolyt auf: In den Seitenwänden des Throns sind in Form einer Bibliografie bedeutende Werke eingraviert, die ihm zugeschrieben werden können. Es findet sich dort ebenfalls seine kalenderförmige Berechnung der Ostertermine des dritten Jahrhunderts.

Es ist umstritten, ob die Statue von Anfang an Hippolyt darstellen sollte oder ob eine beschädigte, antike Statue mit seinen Werken versehen und ihm zu Ehren aufgestellt worden ist. Sie stand lange im Museum des Lateran. Heute befindet sie sich am Eingang der Vatikanischen Bibliothek.

Der Friedhof wurde während des Zweiten Weltkrieges beschädigt, da er als Luftschutzbunker genutzt wurde.

                                     

5. Reliquienübertragung

Da die Gräber Hippolyts und der anderen Heiligen den römischen Bestattungsbräuchen folgend außerhalb der Stadtmauern lagen, waren sie nach dem Niedergang des römischen Reiches feindlichen Plünderungen unter anderem durch die Langobarden schutzlos ausgeliefert. Aus diesem Grund gingen die Päpste mehr und mehr dazu über, die gefährdeten Reliquien der Heiligen in die Innenstadtkirchen zu verlegen. So transferierte Paul I. die Überreste Hippolyts in die kurz zuvor fertiggestellte Kirche San Silvestro in Capite, wie eine Marmortafel im Vorhof der Kirche zeigt.

Zur gleichen Zeit weilte der einflussreiche Abt Fulrad von Saint-Denis im Auftrag des fränkischen Königs Pippins des Jüngeren in Rom. Dort erhielt er aus unbekanntem Grund von Paul I. die Reliquien Hippolyts und übertrug Teile davon in das von ihm gegründete Kloster Fulradovillare, dem heutigen Saint-Hippolyte früher St. Pilt im Elsass. In der dortigen Pfarrkirche werden sie bis heute in einem gläsernen Schrein ausgestellt. Andere Teile nahm er mit nach Saint-Denis, wo sie in einem Vorgängerbau der jetzigen Kathedrale aufbewahrt wurden, dort aber in den Wirren der Französischen Revolution verloren gingen.

Seit vielen Jahrhunderten werden Hippolyt-Reliquien auch in St. Pölten in Niederösterreich verehrt. Obwohl Urkunden über eine zugehörige Translation fehlen, lassen sich begründete Vermutungen anstellen. Fulrad, dessen Kontakte ins heutige Süddeutschland mehrfach belegt sind, stand auch mit den adeligen Brüdern Adalbert und Oatkar, den Gründern des Klosters Tegernsee vermutl. 765 in Verbindung. Nach einer alten Tradition erhielten sie von Fulrad Teile der Elsässer Hippolytreliquien und übertrugen sie nach Tegernsee. Der Hippolyt-Kult ist dort bis ins Mittelalter nachweisbar.

Wahrscheinlich hat sich das Kloster Tegernsee 791 am Awarenfeldzug Karls des Großen beteiligt und bekam deshalb Güter im neu eroberten Land zugesprochen. Auf einem dieser Besitztümer in der ehemaligen Römerstadt Aelium Cetium, dem heutigen St. Pölten, errichtete es um 800 ein Tochterkloster. Hippolyt wurde der Patron des Klosters und der Klosterkirche. Es liegt nahe, dass es in diesem Zusammenhang zu einer Reliquien-Übertragung von Tegernsee nach St. Pölten gekommen ist, wo sie bis auf den heutigen Tag zu sehen sind.

Zusammenfassend lässt sich somit vermuten, dass die Hippolytreliquien im 8. Jahrhundert zunächst von den Katakomben nach San Silvestro in Capite in Rom, von dort nach St. Hippolyte im Elsass und von dort aus weiter nach Saint-Denis bzw. über Tegernsee nach St. Pölten gelangt sind. Dem steht gegenüber, dass in späteren Jahrhunderten noch weitere Übertragungen von Hippolytreliquien innerhalb Roms dokumentiert sind: Im 9. Jahrhundert unter Leo IV. 790–855 nach Santi Quattro Coronati und nach einer Inschrift aus dem 13. Jahrhundert nach San Lorenzo fuori le mura. Es lässt sich nicht mehr rekonstruieren, bei welcher der drei römischen Übertragungen die echten Gebeine Hippolyts den Ort gewechselt haben; die erste Translation hat das Gesetz der Wahrscheinlichkeit für sich. In den anderen Fällen wird es sich womöglich um "Berührungsreliquien" handeln, also Gebeine Verstorbener, die in der Nähe Hippolyts bestattet worden waren.

Seit dem 10. Jahrhundert sind Reliquien Hippolyts außerdem in Gerresheim am Niederrhein nachweisbar. Schon die älteste überlieferte Urkunde des Gerresheimer Frauenstifts vom 4. Februar 905 oder 906 erwähnt eine Wachszinspflicht gegenüber der "Kirche des heiligen Hippolyt, die in Gerresheim ist." Es ist unklar, wie – und welche – Reliquien nach Gerresheim gelangt sind. Manche Autoren erwähnen Aachen als Zwischenstation. Wahrscheinlich ist, dass der Gründer des Frauenstiftes, der Adelige Gerrich Gerricus, diese Hippolytreliquien erworben und damit seine Stiftung ausgestattet hatte. Möglicherweise handelte es sich dabei um die Gebeine, die erst bei der oben erwähnten zweiten oder dritten Übertragung innerhalb Roms öffentliches Interesse geweckt hatten also vermutlich Berührungsreliquien. Eher unwahrscheinlich ist, dass die menschlichen Überreste, wie im Jahrhundert davor, ebenfalls aus Fulrads Kloster im Elsas stammen – zu einer Verehrung gleich an vier Orten dürfte die Menge der vorhandenen Knochen kaum ausgereicht haben.

Die Reliquien blieben nicht lange in Gerresheim. Bei den verheerenden Ungarneinfällen von ca. 919 wurden die Klostergebäude völlig zerstört. Die Stiftsdamen suchten Schutz in Köln und nahmen dabei die Gebeine ihres Patrons mit. In Köln kamen sie für die nächsten Jahrhunderte bei der Frauengemeinschaft von St. Ursula unter. Hippolyt wurde so einer der vielen "Kölner" Heiligen, ohne dass dadurch die Hippolytverehrung in Gerresheim abbrach. Erst im Jahr 1953 gelangten die Hippolytreliquien nach Gerresheim zurück. Ab 1992 befanden sie sich in einem neu angefertigten Reliquiar auf dem Hochaltar der dortigen Margarethenkirche. Später wurden sie in den neugotischen Hippolytusschrein übertragen. Dieser wurde 1871 von den Kölner Künstlern Heinrich und Johann Bong gefertigt und befindet sich auf dem Seitenaltar unterhalb der Orgel.

Weitere Reliquien werden in der heutigen Kathedrale des Bistums Porto-Santa Rufina Sacri Cuori di Gesù e Maria in La Storta verehrt. Möglicherweise handelt es sich dabei um einen zweiten Heiligen gleichen Namens, der in der römischen Hafenstadt wirkte.



                                     

6. Legendenbildung

Die räumliche Nähe der Hippolytkatakombe zum Grab des berühmten Märtyrers Laurentius in San Lorenzo fuori le mura an der Via Tiburtina hat schon früh zur Vermischung der Legenden der beiden Heiligen geführt. Bereits im 5. Jahrhundert werden sie in einigen frühchristlichen Kirchen so in San Lorenzo oder in Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna gemeinsam abgebildet.

In dieser Legende bekehrt sich Hippolyt, der als römischer Offizier als Wächter des eingekerkerten Laurentius eingesetzt war, selbst zum Christentum und stirbt dafür den Märtyrertod, indem er bei lebendigem Leib von Pferden zerrissen wird. Diese Darstellung der Todesart findet sich in zahlreichen mittelalterlichen Bildern wieder; im Wappen des elsässischen Saint-Hippolyte ist diese Legende ebenfalls dargestellt. Hippolyt wurde so auch zum Schutzpatron der Pferde.

Die Ursprünge dieser "Offizierslegende" liegen im Dunkeln. Ein erster Hinweis findet sich im oben erwähnten Werk des Prudentius. Er erwähnt dort ein Bild in der Nähe des Grabes Hippolyts, auf dem der Märtyrertod des Priesters dargestellt wird, der von Pferden zu Tode geschleift wurde. Inwieweit sich diese Abbildung tatsächlich auf den Priester Hippolyt oder aber auf die in Rom sehr populäre Legende der namensgleichen, mythologischen Gestalt des Hippolytos, der ebenfalls von Pferden zu Tode geschleift wurde, bezieht, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Reste des Bildes sind bis heute nicht aufgefunden worden.

So bleibt es eine Theorie, dass eine Abbildung des Sterbens des mythologischen Hippolytos in der Nähe des Grabes des Priesters Hippolyt spätere Generationen zu der Annahme verleitet habe, das Bild beziehe sich auf den Priester und beschreibe dessen Todesart. Wie aber aus dem Priester ein Offizier und Wächter des Laurentius geworden sein soll, ist nicht geklärt. Möglicherweise hat nicht nur die erwähnte Nähe der Gräber, sondern auch die Aufeinanderfolge der Festtage Laurentius am 10. August, Hippolyt am 13. August zur Entstehung einer gemeinsamen Legende geführt.

                                     

7. Textausgaben und Übersetzungen

  • Traditio Apostolica lateinisch-griechisch-deutsch, in: Fontes Christiani, Band 1, Freiburg i. Br. 1991 übersetzt und eingeleitet von Wilhelm Geerlings.

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