Zurück

ⓘ Johann Peter Hasenclever




Johann Peter Hasenclever
                                     

ⓘ Johann Peter Hasenclever

Johann Peter Hasenclever zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern des 19. Jahrhunderts. Hasenclever war als Mitglied der Düsseldorfer Malerschule Begründer einer sozialkritischen und ironischen Genremalerei in Deutschland und Wegbereiter von Carl Spitzweg und Wilhelm Busch.

                                     

1. Leben

Hasenclever stammte aus Remscheid im Bergischen Land, wo sein Vater Johann Peter Hasenclever 1784–1864, ein Bohr- und Kleinschmied, im regionalen Kleineisengewerbe berufstätig war. 1825 wechselte er die Schule und zog in das Haus seines Lehrers Johann Peter Fasbender in Ronsdorf, welcher das Zeichentalent des Fünfzehnjährigen erkannte und förderte. Hasenclever malte zwei Bildnisse des Ehepaars Fasbender. Im Alter von 17 Jahren wechselte er zur Düsseldorfer Kunstakademie unter ihrem Direktor Wilhelm von Schadow, verließ sie jedoch bereits nach zwei Jahren wieder, nachdem Schadow allzu deutlich Zweifel an der Begabung des Malschülers geäußert hatte. Erst 1836 unternahm Hasenclever einen zweiten Anlauf und besuchte die Malklasse von Theodor Hildebrandt, der sich von der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts dazu anregen ließ, Szenen aus dem Alltag einfacher Leute, "Genres", zum Bildgegenstand zu erheben. Die Genremalerei war in Deutschland damals künstlerisches Neuland.

Erste große Erfolge errang Hasenclever 1838 nach seiner Umsiedlung vom Rheinland in die Kunststadt München, wo er Carl Arnold Kortums Jobsiade illustrierte. In kurzer Zeit entstanden mehr als zwanzig Gemälde zu Kortums satirischer Heldengeschichte Leben, Meynungen und Thaten von Hieronymus Jobs eines Bummelstudenten, der als Nachtwächter endet. Der bayerische König Ludwig I. selbst erwarb 1840 das Gemälde Jobs im Examen.

Als Hasenclever nach Düsseldorf zurückkehrte, war er ein bekannter Maler. 1843 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt. Seine Maltechnik war jetzt ausgereift und souverän, er beschränkte sich nicht mehr auf dokumentarische Abbildung von Alltagsszenen, sondern strebte danach, die großen und kleinen Schwächen des bürgerlichen Lebens der Biedermeierzeit offenzulegen.

Hasenclever nahm an der politischen Bewegung des Vormärz teil und war unter den ersten Malern, die sich in Deutschland einer sozial engagierten Kunst zuwandten. Er wurde Mitglied in der antiakademischen Künstlervereinigung Crignic, aus der später der Malkasten hervorging und arbeitete seit 1847 an den Düsseldorfer Monatheften mit. Als schließlich 1848 die Revolution losbrach, stand Hasenclever als stellvertretender Zugführer einer konsequent demokratisch gesinnten Bürgergarde für deren Ziele ein. Diese Ziele waren dem kommissarischen Oberbürgermeister Düsseldorfs, Joseph von Fuchsius, nicht geheuer und er ließ die Bürgerwehr überwachen. Im selben Jahr wurde als Sammelbecken für alle demokratischen Künstler der Malkasten gegründet.

Gottfried Keller nannte Hasenclever anerkennend den "Hofmaler des Weins, der Urbanität und des Humors". Für andere Zeitgenossen war er ein "gemütvoller Schilderer geselliger Interieurszenen" und "weinseliger Humorist", letzteres mit abschätzigem Unterton. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Hasenclever für die Kunstgeschichte ohne Bedeutung.

Auf der anderen Seite hatte Karl Marx für Hasenclever in der New-York Daily Tribune vom 12. August 1853 die Werbetrommel gerührt, als er die "dramatische Vitalität" von Hasenclevers Gemälde Arbeiter und Stadtrath lobte, wohl das wichtigste Werk Hasenclevers überhaupt. Denn hier wurden die Arbeiter als vollwertiges und darstellenswertes Subjekt behandelt. So verwundert es nicht, dass in den 1960er und 1970er Jahren vor allem in der DDR eine Hasenclever-Renaissance einsetzte, als Wolfgang Hütt 1964 mit einer Untersuchung zur Düsseldorfer Malerschule aus marxistischer Sicht auf Hasenclevers Revolutionsbild aufmerksam machte.

                                     

2. Werke

Auswahl

  • Die Polizeistunde, 1845 – Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
  • Der Kegeljunge, 1840 – Verbleib unbekannt
  • Arbeiter und Stadtrat 1848, 1848/49 – Solingen, Bergisches Museum Schloss Burg an der Wupper
  • Arbeiter und Stadtrat 1848, 1849 2. Fassung – Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Die Weinprobe, 1843 – Privatbesitz
  • Hieronymus Jobs im Examen, 1840 – Bayerische Staatsgemäldesammlung Neue Pinakothek
  • Hieronymus Jobs im Examen, 1851 2. Fassung – Museum der bildenden Künste, Leipzig
  • Jobs als Schulmeister, 1845 – Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Die Sentimentale, 1846/47 – Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Der erste Schultag 1852 – Privatbesitz, Düsseldorf
  • Emilie Preyer, Porträt der Frau von Johann Wilhelm Preyer, geborene Lachewitz, Öl auf Holz, 1842 – Stadtmuseum Düsseldorf
  • Hieronymus Jobs als Nachtwächter 1852 – Museum der bildenden Künste, Leipzig
  • Der achtzigste Geburtstag, 1849 – Privatbesitz, Remscheid
  • Die Tanzstunde, 1835 – Von der Heydt-Museum, Wuppertal
  • Selbstbildnis mit hohem Hut, 1837 – Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Kinderreigen, 1836 – Von der Heydt-Museum, Wuppertal
  • Das Lesekabinett, 1843 – Alte Nationalgalerie, Berlin kleinere Version: Galerie der Stadt Remscheid
  • Atelierszene, 1836 – Museum Kunstpalast, Düsseldorf
  • Porträt Gertrude Scharf, geb. Halbach, um 1830/35 – Museum Haus Cleff, Remscheid
  • Hieronymus Jobs als Schulmeister, 1846 – Museum der bildenden Künste, Leipzig
                                     

2.1. Werke Illustrationen Auswahl

  • In: Aquarelle Düsseldorfer Künstler: den kunstsinnigen Damen gewidmet. Arnz, Düsseldorf 1861. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Bilder zur Jobsiade. Buddeus u. a., Düsseldorf 1844. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf