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ⓘ Arminius Hasemann




Arminius Hasemann
                                     

ⓘ Arminius Hasemann

Arminius Hasemann, Sohn eines Berliner Messinstrumentenbauers, wuchs teils in der Gegend um die Berliner Nikolaikirche, teils im ländlichen Zehlendorf und später in einem Internat bei Filehne in Pommern auf. Danach besuchte die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin und dann die Großherzoglich Badische Kunstschule in Karlsruhe. Das Studium der Bildhauerei und Graphik begleiteten Aufenthalte bei seinem Onkel, dem Maler Wilhelm Hasemann in Gutach, in Florenz und Carrara. Die jährliche Ausstellung der Berliner Secession zeigte 1912 zwei Marmorköpfe Hasemanns, Condottiere und Narr.

Die folgenden zwei Jahre verlebte Hasemann auf Reisen. Als Wandermusikant bereiste er mit zwei Violinisten die Schweiz und fuhr über Genua nach Ceuta. Eine Fußwanderung von Gibraltar durch Südspanien endete in Barcelona. Erste künstlerische Erfolge erlaubten weitere Reisen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs überraschte Hasemann in Paris. Er kehrte nach Deutschland zurück und nahm am Krieg als Frontsoldat teil. Während des Krieges erschien der Ertrag der Reisen unter dem Titel Himmel und Hölle auf der Landstraße mit 42 Holzschnitten. Das Werk erreichte bis 1922 vier Auflagen und machte Hasemann berühmt.

Eine der 1920 erschienenen Mappen Der Zirkus mit 20 originalen Holzschnitten liegt heute in den Fine Arts Museums of San Francisco. Nach dem Krieg interessierten Hasemann neben der Graphik plastische Arbeiten im öffentlichen Raum. Hasemann entwickelte seinen Stil aus einer Synthese von Expressionismus und Art déco. Beispielhaft sind der Mutter- und Kind-Brunnen in der Künstlerkolonie Berlin und der Bauschmuck für den Busbetriebshof der ABOAG in Berlin-Treptow, seit 1995 Arena Berlin. Befreundet war Hasemann mit dem Berliner Bauunternehmer Adolf Sommerfeld, dessen Vater er Anfang der 1920er Jahre in einer Bronzebüste porträtiert hatte, und für dessen Firma er 1930 das Logo entwarf.

Mitte 1932 wurde Hasemann Nationalsozialist. Nach der Machtergreifung Hitlers "organisierte" er als Kulturwart der NSDAP, angetan mit Dienstmütze- und Waffe, die Künstlerschaft in Zehlendorf, wo er im Hause seines Vaters lebte und arbeitete. Öffentliche Aufträge erhielt Hasemann in der Zeit des Nationalsozialismus jedoch kaum. Obwohl er seine expressionistischen Werke bei Bewerbungen verschwieg, gelang es ihm nicht, seinen jetzt verfemten Stil zu verleugnen und er verarmte. Von Hasemanns wenigen Werken aus der NS-Zeit ist keines erhalten, auch weil seine Bronzebildwerke anlässlich der Metallspende des deutschen Volkes ab 1940 eingeschmolzen wurden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eingezogen, geriet Hasemann bei Berlin in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser heraus gelangte er 1946 in eine führende Stelle im Baustab zur Errichtung des sowjetischen Ehrenmals im Treptower Park. Nach dessen Fertigstellung im Mai 1949 beschäftigte ihn Richard Paulick ab 1950 beim Wiederaufbau der Deutschen Staatsoper Unter den Linden. Die Statuen auf der Attika des Gebäudes entwarf Hasemann. Der aus britischem Exil nach Deutschland zurückgekehrte Adolf Sommerfeld ließ sich Anfang der 1950er Jahre von ihm in einer Bronzebüste porträtieren.

In West-Berlin, wo sich nach der Spaltung Berlins sein Wohn- und Atelierhaus befand, verschwieg Hasemann gegenüber öffentlichen Auftraggebern in Lebensläufen die Jahre von 1933 bis 1945 und auch sein Wirken für die Sowjetarmee. Als 1965 die Gewerkschaft ÖTV eine Gedenktafel am Sterbehaus des SPD-Vorsitzenden und Reichspräsidenten Friedrich Ebert in der Joachimsthaler Straße in Berlin wünschte, verschaffte sich Hasemann den Auftrag, den von ihm einstmals so geschmähten Politiker mit einem Spätwerk zu ehren. Die Tafel ziert heute das Archivgebäude der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn.

Im Alter wurde Hasemann, der von einer DDR-Rente lebte, zum Sonderling. Kurz vor seinem Tod schenkte er 1979 dem Berliner Zoologischen Garten die Sandsteinskulptur Affengruppe, die vor dem Tropenhaus aufgestellt wurde. Hasemanns Haus in der Leuchtenburgstraße 18 verkam in seinen letzten Jahren, wurde später geplündert und schließlich abgerissen. Sein Grab auf dem Friedhof Zehlendorf ist eingeebnet. Werke Hasemanns wurden 2007 zusammen mit Joseph Beuys, Käthe Kollwitz, Andy Warhol u. a. in der Recklinghauser Ausstellung Zum Sterben schön! Der Tod in der Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestellt.

                                     

1.1. Werke Holzschnitte aus den Jahren 1912/14

  • Sturm im Mittelländischen Meer
  • Der Karrner
  • Zigeunermädchen
  • Kokotten am Kai von Luzern
  • Eselsritt durch Kaktushecken
  • Araber, Spanier und Jude in Melilla
  • Die Philosophen der Landstraße
  • Der Tod auf der Landstraße
  • Tippelbruders Abschied
  • Am wüsten Strande von Andalusien
  • Fonda bei Sonnenuntergang
  • Abschied von den Frauen
                                     

1.2. Werke Berliner Kunstwerke im Öffentlichen Raum

  • Um 1928: Mutter- und Kindbrunnen in Berlin-Wilmersdorf, Rauenthaler Straße, Skulptur aus Muschelkalkstein
  • 1922: Affengruppe in Berlin-Tiergarten, Zoogelände, Skulptur aus Sandstein
  • Statuen auf der Deutschen Staatsoper in Berlin-Mitte
  • 1927/38: Acht Klinkerfiguren, darunter Schaffner und Schaffnerin in Berlin-Treptow
  • 1927/38: Bär in Berlin-Treptow, Torplastik aus Muschelkalkstein und Kunststein
  • Aufgestellt um 1985 gegenüber seinem ehemaligen Haus in der Leuchtenburgstraße, Zehlendorf, die Muschelkalkfiguren: Stehender Faun und Hockende Negerin
                                     

1.3. Werke Sonstige

  • um 1930: Vertrauen, Berlin, Skulpturengruppe aus Teak, geölt, 4 Stück
  • 1965: Gedenktafel für Friedrich Ebert, Bronze, Bonn, Friedrich-Ebert-Stiftung